Am 13. Februar 2010 blockieren Teilnehmer_Innen des Aktionsbündnisses „Dresden nazifrei!“ und „No Pasaran!“ ganz ruhig ein paar Straßenzüge in Dresden. Die Polizei und die Stadt Dresden hatte schon im Vorfeld versucht die linken Demonstrant_Innen und Teilnehmer_Innen einer friedlichen Blockade zu kriminalisieren. Nur liegen sie da völlig falsch das es sich bei einem Sitzen auf der Straße jediglich um eine Ordnugngswiedrigkeit handelt und es in diesem Zusammenhang keine Strafttat gibt.
Das größte Prolem der Polizei liegt wie immer darin das sie durch ihre hierachischen Strukturen und langen Befehlsketten keine Ahnung haben, was eigentlich los und ist und viel zu schnell den Überblick verlieren. Das mündet dann in einem Antrag für polizeiliche Maßnahmen, was nett klingt heißt unter Umständen Knüppel raus.
Die große Frage besteht darin warum auf friedliche Blockadeteilnehmer_Innen einprügeln. Natürlich wird das alles dementiert und gerechtfertig werden, die Bilder sprechen am Schluss natürlich für sich. Fragwürdig ist auch die Erscheinung von Bullen mit MP und CS- Werfern auf der Katharinenstraßen und Ecke Königbrücker Straße in der Äußeren Neusadt von Dresden. Was will die Polizei damit bezwecken, den Menschen faschistoid klar machen, das wenn sie gegen Nazis demonstrieren und blockieren wollen mit MP´s und CS- Werfen, Gummigeschossen und Holzgeschossen zu rechnen haben.
Willkommen im Polizeistaat. Die Oberbürgermeisterin und die gesamte Stadt so wie einige der sogenannten Parteivorsitzenden von FDP und CDU, sollten sich schon mal eine gute Erklärung einfallen lassen. Die Rechtfertigung dafür, das durch die Gummigeschosse und Holzgeschosse aus kruzer Distanz der Tod herbeigeführt werden kann, nachweislich. Die einzige Erklärung die dazu im Moment gefunden werden kann, ist das die einzige wirkliche Gewalt gegen Menschen nur und einzig und allein nur von Bullen und Nazis ausgeht oder vielleicht nimmt sich das schon gar nicht mehr so viel.
Gute Nachrichten gibt es hingegen, die Nazis saßen fest. Den gesamten Tag lang standen sie im selbst gewählten Freiluftgewahrsam am Neustädter Bahnhof und schauten noch dümmer aus der Wäsche als sonst. Als es ihnen langweilig wurde haben sie die Bullen mit Flaschen, Schnee und Eis beworfen. Von Seiten der Polizei gab es hingegen, bei den Ausschreitungen der Rechten am Bahnhof Neustadt kein so hartes vorgehen, wie gegen die Linken und ihren Blockaden.
Ein solches Vorgehen ist mehr als selbsterklärend. Die Menschen die für eine freies, antifaschistisches Leben ohne Nazis und Trauermärsche & revisionistische Mythen stehen, die sich für freie Meinungsäußerung und für eine Stadt ohne braunen Anstrich und mit antifaschistischen Gedanken einsetzen, werden von der mitte- rechts oder eher rechts Oberbürgermeister_In Orsoz, verurteilt, verprügelt, kriminalisiert und angeklagt.
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Heute wurde nach vielen Jahren erstmals der inzwischen europaweit größte Aufmarsch von Neonazis in Dresden durch ein Bündnis vieler linker Organisationen und Parteien verhindert. Gesellschaftlich weniger Akzeptierte bis hin zu wehr.di-Plakaten der Gewerkschaft Ver.di.
40 1/2 Jahre zuvor wurde ich in Dresden geboren. 1969. Wenige Jahre drauf begleitete ich regelmäßig meine Mutter mit dem Kinderfahrrad auf dem Einkaufsweg zum Konsum und der HO über den „Platz der Einheit“, der nach der Wende wieder zum „Albertplatz“ umbenannt wurde. Genau über die Querung der Kreuzung am ersten Hochhaus der Welt in Betonbauweise, wo heute diese Aufnahme entstand. Als heute eine ungeheure Menge von Demonstranten auf einer nicht genehmigten Blockade verhinderten, dass Neonazis zum wiederholten Male den Gedenktag über die Folgen des zweiten Weltkrieges am Beispiel der Zerbombung Dresdens nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen.
Für mich war die Teilnahme eine ausgesprochene Genugtuung für meine eigene Vergangenheit.
Ich war vorher schon einmal an Demonstrationen in Dresden beteiligt. 1989 zur Wende auf der „Gegenseite“.
Wenn man 1969 in der DDR geboren wurde und später studieren wollte, fiel die Einberufung zum Grundwehrdienst auf den Herbst 1988. Nichts-ahnend trat ich den Dienst an, um meine soziale Zukunft nicht vollständig zu gefährden. Zugewiesen wurde ich der Bereitschaftspolizei in Dresden, meiner Heimatstadt. Es war Zufall, aber rein praktisch hatte das den Vorteil, dass ich meine Freundin einmal die Woche besuchen durfte. Und sie mich faktisch an jedem Tag, an dem wir wollten.
Anfang September 1989 wurden einige meiner „Kollegen“ in den Reihen der Bereitschaftspolizei (wir waren ausnahmslos Grundwehrdienstleistende) zu einer Reise in Richtung Cottbus abkommandiert, wo sie Räumschilde für die LKWs der Polizei herstellen sollten. Es war die Zeit, als meine Freundin aus Ungarn vom Urlaub wieder kam, viele Ostdeutsche jedoch diesen Urlaub nutzten, um über die grüne Grenze gen Westen zu entkommen.
Einen Monat später wurden wir auf den Hauptbahnhof geschickt und auf die Straße gestellt. Ich war mittendrin im Geschehen. Ich kann heute rückblickend feststellen, wie das Geschichtsbild Jahre danach immer und immer wieder verfälscht wurde, wenn es um diese Tage in Dresden ging. Ich habe die Mütter mit Ihren Kindern (teils in Kinderwagen) auf den Gleisen des Dresdner Hauptbahnhofes gesehen, die Ihre Ausreise erzwingen wollten. Ich habe gesehen, wie sie relativ friedfertig auf Kommando von meinen „Kollegen“ der Bereitschaftspolizei von den Gleisen gedrängt wurden. Ich habe gesehen, dass sich letztlich das Klientel am Hauptbahnhof in Dresden stündlich verändert hat. Dass nicht die Ausreisewilligen, sonder gewaltbereite Jugendliche sich versammelten. Teils mit Motorradhelmen ausgerüstet. Ich habe einiges Mehr gesehen. Bis hin zu Blut.
Und ich habe gespürt, wie sich die Situation am 8.10.1989 gewandelt hat. Auf Grund von intelligenten Dresdner, die sich in der Gruppe der 20 faktisch spontan zusammen gefunden haben. Eine Gruppe, aus der der erste Dresdner Oberbürgermeister nach der Wende hervorgegangen ist. Eine Gruppe, die auch von den gleichzeitigen Erfolgen in Leipzig getrieben, den Umbruch in Ostdeutschland erreicht haben.
Warum ich das schreibe? Heute? Weil ich heute das erste Mal wieder auf der Straße gestanden habe. Weil ich die Polizisten in den Reihen glaube besser zu verstehen, als manch Anderer. Weil ich nicht möchte, dass der Stress meiner damaligen Beteiligung als Bereitschaftspolizist am Ende umsonst war. Wir haben, und dass kann ich für die, die 1989 auf der Seite der DDR-Regierung zwangsweise stehen mussten, mit recht sagen, denn wir rumorten, bis der Politoffizier die Fassung verlor,… Wir haben nicht umsonst ausgehalten, wir haben nicht umsonst aus der Situation gelernt, wenn wir auch heute nicht umsonst gegen antidemokratische Kräfte in Form der Nationalsozialistischen Strömung so weit vorgegangen sind, dass
die europaweit größte nationalsozialistische Demonstration in meiner Heimatstadt und auf den direkten Schauplätzen meiner Kindheit verhindert wurde. Dafür danke ich den Dresdner, den Studenten die in der Wissenschafts- und Kulturstadt ein zeitweiliges Zuhause gefunden haben und mitdemonstrierten und denen, die aus anderen Regionen extra angereist waren. Dresden lebt schon lange nicht mehr im Barock. Wir leben im Jetzt. Aber wir leben das Jetzt in einer Form, die alle sozialen Schichten und Minderheiten schätzt und alle die missachtet, die in Eigennutz diese globale Sicht auf die Welt und auf uns zerstören möchten.
http://www.n-tv.de/mediathek/videos/politik/Tausende-gegen-Nazi-Aufmarsch-article727069.html



(Text1/Text2/Bilder: http://de.indymedia.org/2010/02/273167.shtml/http://de.indymedia.org/2010/02/273209.shtml/http://de.indymedia.org/2010/02/273211.shtml)


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